Ein Netzwerk. Viele Genossenschaften: Klosterbrauerei Reutberg

Ein Netzwerk. Viele Genossenschaften: Klosterbrauerei Reutberg

Dieses Mal führte uns die neueste Episode unserer Serie „Ein Netzwerk. Viele Genossenschaften“ zur wunderschön gelegenen Klosterbrauerei auf den Reutberg nordöstlich von Bad Tölz. In dem Video-Format bereist unser Vorstand Michael Dandorfer in seiner Funktion als Bezirkspräsident des Genossenschaftsverbands Bayern die unterschiedlichsten oberbayerischen Genossenschaften.

Anlässlich des 100. Geburtstags der Klosterbrauerei hatte Michael Dandorfer die Genossenschaft mit einer Laudatio auf der diesjährigen Generalversammlung geehrt. Und mit etwas Abstand nun der Besuch der heiligen Hallen der Brauerei. Wir fühlten uns ein wenig wie bei der „Sendung mit der Maus“, als Geschäftsführer Stephan Höpfl uns durch die heiligen Produktionsgewerke führte und die vielen Facetten rund um die Genossenschaftsbrauerei erklärte. Vorbei an Wannen, Whirlpools und unzähligen Fässern.

Wie dürfen wir uns die Klosterbrauerei Reutberg eG vorstellen?

Die Klosterbrauerei Reutberg ist eine traditionelle Land-Brauerei. So ist sie damals auf jeden Fall in der Stellenanzeige vorgestellt worden, auf die ich mich vor 25 Jahren beworben habe. Wir sind ein überschaubarer Betrieb mit 18 Vollzeit- und 5 Teilzeitkräften, der auch ausbildet. Als Genossenschaft zählen wir aktuell mehr als 5.100 Mitglieder, 5.160 um ganz genau zu sein. 100 Jahre besteht die Genossenschaft nun genau. Und wir hoffen, dass es uns noch weitere 100 Jahre geben wird.

Und diese Mitglieder eint mit Sicherheit die Liebe zu Bier und Brauerei. Wie viele Biere produzieren Sie mittlerweile?

Die Brauerei produziert die Biere, auf denen der Name der Klosterbrauerei steht nach wie vor selbst. Das sind mittlerweile 14 Sorten, davon neun ganzjährig und fünf saisonal. In dem Sinne sind wir ein Vollsortimenter, wie man es so schön nennt. So ist für jeden etwas dabei. Was wir allerdings nicht herstellen, sind leichte oder alkoholfreie Biere. Aber wer, weiß, was die Zukunft bringt.

Sie haben es eingangs angesprochen: Vor 100 Jahren wurde die Genossenschaft von 42 Mitgliedern gegründet. Können Sie uns die Historie seither etwas näher bringen?

Ja, 1924 gegründet hat die Klosterbrauerei mittlerweile 100 Jahre auf dem Buckel (lacht). Damals ging es darum über die Gründung der Genossenschaft, den Fortbestand der Brauerei auf dem Reutberg zu wahren. Großen Anteil hat der Gründervater Pfarrer Alois Daisenberger, dem als weltlich orientierten Geistlichen der Genossenschaftsgedanke sehr gefallen hat und der darüber hinaus noch zwei weitere Brauerei-Genossenschaften gründete. In den 100 Jahren gab es natürlich Höhen und Tiefen. Die besten Zeiten am Reutberg hatten wir zwischen 1950 und Mitte der 70er Jahre. Da hat die Brauerei viel Bier verkauft, da der Pro-Kopf-Verbrauch noch ganz anders aussah. So war es der Brauerei möglich, Immobilien zu erwerben.

…und wie tief waren die Tiefen?

In den 70ern kämpfte man dann mit Produktions- und Qualitätsproblemen. Damit ist es relativ schnell abwärts gegangen. Der Tiefpunkt war dann 1987 erreicht, als die damalige Vorstandschaft die Brauerei hier aufgeben und eine Fusion mit der Brauereigenossenschaft Holzkirchen anstreben wollte. Aber damals zeigte sich ein Vorteil der Genossenschaft. Die Mitglieder haben sich dagegen gewehrt und so ist die Fusion mit 90% der Stimmen abgelehnt worden. Daraufhin übernahm ein neuer Vorstand, der mit großem Engagement das Ruder rumriss. Der so genannte Ausstoß an produziertem Bier wurde in der Zeit von 7.500 Hektolitern auf über 20.000 Hektoliter gesteigert. Und damit zählen auch die seither vergangenen 35 Jahre zur Erfolgsgeschichte. Hoffen wir, dass es so weitergeht!

Inwiefern fördert die Genossenschaftsstruktur die Gemeinschaft und das Engagement der Mitglieder in der Klosterbrauerei Reutberg?

Laut Satzung ist jedes Mitglied ja sogar dazu angehalten die Genossenschaft zu fördern. Das heißt, das Bier nicht nur selbst zu beziehen, sondern es bestenfalls auch zu bewerben. Damit sind die Mitglieder auch der Grundstock der Kundschaft. Die Gemeinschaft wird vor allem über die Mitbestimmung gefördert. Das geschieht bei der Generalversammlung, wo dann auch unsere Dividende ausgeschüttet wird.

Dabei handelt es sich um eine besondere Art der Dividende.

Genau, eine Natural-Dividende. Jeder wird verköstigt, bekommt seine zwei Maß Bier und sein Hendl oder einen Schweinsbraten.

Und wie sieht die Mitbestimmung dann konkret aus?

Es ist eine Versammlung, bei der jeder mitbestimmen darf. Über den Jahresabschluss. Die Wahlen zum Aufsichtsrat und Vorstand. Und das fördert natürlich die Gemeinschaft.

Wie würden Sie die Bedeutung der Genossenschaftsphilosophie für die Identität der Klosterbrauerei Reutberg beschreiben?

Der Pfarrer Alois Daisenberger hat ja bewusst die Form der Genossenschaft gewählt, um die Brauerei auf ein breites Fundament zu stellen und möglichst viele Mitglieder zu vereinen. Und durch die Genossenschaft haben wir viele Eigentümer. Es ist niemandem möglich, alleine zu bestimmen oder sogar nur eine Richtung vorzugeben. Ob man als Genosse bei uns 20 Anteile besitzt oder nur einen, man hat mir nur eine Stimme. Und damit ist die Mitgliederstruktur schon auch eine Art Schutz vor feindlichen Übernahmen, die heutzutage jederzeit und überall möglich geworden sind.

Was lieben Sie persönlich an der Klosterbrauerei Reutberg?

Die Klosterbrauerei ist für mich persönlich eine Herzensangelegenheit. Ich bin seit 25 Jahren dabei, hier hatte ich meine erste Anstellung überhaupt nach dem Studium. Es handelt sich ja um eine überschaubare Brauerei, in der man nicht einfach in eine Abteilung gezwängt wird. Man wird in viele Bereich miteinbezogen. Und natürlich schätze ich die Lage. Nebenan gibt es das Bräustüberl mit der Sonnenterrasse mit gutem Essen und natürlich gutem Bier, das wirklich einen Ausflug wert ist. Und ich habe hier mein persönliches Glück gefunden. Ich habe meine Frau hier kennengelernt, womit mein Herz natürlich umso mehr mit dem Ort verbunden ist.

Allgemein fällt uns bei unserem Besuch in der Klosterbrauerei eine sehr familiäre Stimmung unter den MitarbeiterInnen auf.

Es ist schon so, dass hier alle unterschiedlich sind, aus unterschiedlichen Regionen kommen, jeder seine eigene Einstellung hat. Aber hier soll jeder gleich berücksichtigt und gesehen werden. Wir bilden regelmäßig aus. Bei uns in der Produktion sind nahezu alle aus dem eigenen Stall, wenn ich das so sagen darf. Das schafft natürlich eine besondere Beziehung zur Arbeit. Und bei einigen haben die Eltern hier sogar bereits gearbeitet. Das fördert natürlich sehr unseren Gedanken, den Reutberg-Geist.

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